Journalitiker

Parteiloser Direktkandidat für die Erststimme bei der Wahl zum deutschen Bundestag am 22. September 2013 im Wahlkreis 281 (Freiburg), Platz 22

Über mich

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Zur Person

Geboren bin ich 1958 im pfälzischen Dahn, lebe jedoch seit 1980 in Freiburg. Das Studium (Sport und Geschichte) hat mich dazu veranlasst. Noch während des Studiums war ich in Dahn 15 Jahre lang Gemeinderat (erst für eine freie Wählergruppe, dann mit einer eigenen Liste). 1990 habe ich in Basel mein Studium mit dem Sportlehrer-Diplom abgeschlossen. Nach zwei Jahren als freier Hörfunk-Journalist für Schwarzwaldradio Freiburg wechselte ich 1992 zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk (SWF 3) – und bin immer noch dabei (jetzt SWR). Seit 2012 betreibe ich den Internetauftritt www.derpodcast.de, bei dem ich mich unter anderem journalistisch mit politischen Themen auseinandersetze. Ich fördere Greenpeace, Rettet den Regenwald, Verkehrsclub Deutschland, campact und stoersender.tv.

Und jetzt diese Bundestagskandidatur. Warum?

Zur Motivation

Seit ich wählen darf, habe ich immer von meinem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Es ist ein Teil unserer demokratischen Struktur. Dass vom Wahlrecht auch nicht Gebrauch gemacht wird, kann ich verstehen: keine passende Partei, keine passenden Kandidaten, keine passenden Inhalte.

Sollten dies die Gründe für die rund 25% der Nichtwähler in unserem Wahlkreis sein, dann liegt es nahe, die Auswahlmöglichkeit zu erweitern. Und ich möchte herausfinden, wie viele der Nichtwähler mit dieser Plattform www.journalitiker.de und seinen Inhalten zu bewegen sind. Sich mit Themen auseinanderzusetzen, sie weiterzutragen, dafür auch einzustehen. Und sei es zumindest „nur“ mit ihrer Stimme am Wahltag.

Und ich möchte herausfinden, für wie viele derer, die zur Wahl gegangen sind und auch wieder gehen werden, dieses Angebot eine Alternative sein kann.

Diese Plattform soll anregen, mitzumachen. Sich zu beteiligen. Ein demokratisches Recht auf freie Meinungsäußerung wahrzunehmen. Politik ist nicht identisch mit Parteipolitik. Politik ist Sache eines jeden.

Und was „Bürgerpolitik“ bewirken kann, hat die Freiburger Bürgerinitiative „Wohnen ist Menschenrecht“ im Jahr 2006 gezeigt. Der grüne OB Dieter Salomon wollte 7.900 der insgesamt 8.900 städtische Wohnungen verkaufen. Ein Verkauf sei alternativlos. Für den Verkauf stimmten auch CDU, Grüne und Freie Wähler. Viele Menschen dieser Stadt haben aber durchaus eine Alterntive gesehen. „Wohnen ist Menschenrecht“ hat einen Bürgerentscheid erzwungen. Und das Volk hat gegen seine Politiker/innen entschieden. Die von Salomon darauf angekündigte finanzielle Handlungsunfähigkeit der Stadt ist übrigens ausgeblieben. So kann’s kommen!

Ich werde mich an dieser Stelle zu verschiedenen Themen äußern, woraus ersichtlich werden möge, wofür ich stehe. Fragen werden beantwortet – und vielleicht sogar diskutiert. Meinungsäußerungen von „außen“ – in Form von Kommentierungen oder persönlichen Zuschriften – sind ausdrücklich erwünscht.

Es wird keinen Wahlkampf mit Stand in der Fußgängerzone geben, an dem Kugelschreiber, Luftballons oder Rosen verteilt werden. Es werden keine Plakate mit Parolen oder freundlich grinsenden Menschen aufgehängt. Ich möchte den Informationsaustausch ins Netz verlegen. Und diese Form der Kommunikation braucht Beteiligung. Jeder hat das Recht, seine Meinung zu äußern. Wir sollten diese Gelegenheit nutzen. Fangen wir damit an. Jetzt.

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21 Kommentare

  1. Hey Mad

    Ich finde deine Kandidatur stark und die Beweggründe dazu hundertprozentig in meinem Sinn. Meine Stimme hättest (leider) du auf sicher!

    Gruss Meusch

    • Lieber Meusch,

      merci für’d Unterschdüddzig us de Schwiiz.
      Schön, von einem alten Weggefährten zu hören. Auch, wenn es Dich als Eidgenossen kaum tangiert, ich kann Dir jetzt schon ein Wahlversprechen geben:
      Ich verspreche Dir, in absehbarer Zeit Deine Nummer zu wählen. Noh hämmer de Plausch.

      Sali,
      Mad

  2. Sehr geehrter Herr Kissel,

    unsere Stimme bekommen Sie. Ich bin schon lange fuer Direktmandate! Im Gegensatz zur ganzen nichtssagenden Wahlwerbung sind das klare Aussagen, die mich sofort ueberzeugen, weil das genau auch meine Meinung ist.

    Viel Erfolg

    Ulrike Bause, Freiburg

    Ulrike Bause, Freiburg

    • Liebe Ulrike Bause,

      herzlichen Dank für Ihren Zuspruch.
      Schön, dass ich Sie mit den Standpunkten überzeugen konnte und ebenso schön, Sie dadurch „an meiner Seite“ zu wissen.

      Möge die Übung gelingen.

      Viele Grüße
      von Martin Kissel

  3. Hallo Mad,
    bist du das wirklich? Ich habe schwer über dein Photo rumgerätselt.
    jetzt beginne ich ja wirklich, die Dahner zu fürchten!
    Hast du die gleichnamige – und farbige Schrift von Stéphane Hessel gelesen(Widerstand leisten heißt Neues schaffen)?
    Wohnst du noch in Freiburg?
    Mein Schatz (Politologe und Germanist), der Holger vom Rattenspiegel, war ganz begeistert von deinem Flyer, und wir überlegen schwer, dir unsere Erststimme zu geben.
    Viel Erfolg
    Barbara aus dem Sportstudium

  4. Hallo Martin Kissel,

    ich freue mich sehr über die Aktion, die Sie starten. Ich gehöre ehrlich gesagt seitdem ich wahlberechtigt bin (sieben Jahre), zu den Nicht- Wählern, was ich selbst nicht erstrebenswert finde. Als mir dieses Jahr die Wahlplakate entgegenlachten, mit Sprüchen wie:“ Wir brauchen Wachstum“, hab ich auf dem Fahrrad gesessen und zu mir selbst gesagt: „Nein wir brauchen kein Wachstum mehr!“ Die Alternative die Sie bieten gefällt mir, und ich teile die von Ihnen angegebenen Ansichten. Ich werde dieses Jahr wählen gehen und Mitverantwortung übernehmen. Vielen Dank für Ihre Initiative und viel Glück!

  5. Hallo Herr Kissel,

    ihr Faltblatt finde ich interessant, wobei ich noch nicht genau erkennen kann wofür oder wogegen sie stehen. Sie haben da ein paar Stichworte genannt. Genauere Ausführungen fehlen mir noch (wie etwa hier auf ihrer homepage). Insbesondere das Stichwort Wirtschaftssystem umbauen. Das finde ich interessant, denn es gibt ja mittlerweile viele wachstumskritische Schriften wie etwa von Niko Paech. Worauf beziehen sie sich denn?
    Vielleicht gibt es auf ihrer homepage noch einen Bereich wo was nachzulesen ist, den ich noch nicht gefunden habe?
    Viele Grüße
    Carmen Sauter

    • Liebe Carmen Sauter,

      in der Tat finden sich die Ansätze und ihre Umsetzung in den Veröffentlichungen etwa von Nico Paech („Befreiung vom Überfluss“), Hans Diefenbacher/Roland Zieschank („Woran sich Wohlstand wirklich messen lässt“) ,Ulrich Mössner („Das Ende der Gier“) und vor allen Dingen im Standardwerk zur Wachstumsdebatte, Tim Jacksons „Wohlstand ohne Wachstum“.

      Auch nach der Lektüre dieser ebenso verständlichen wie wichtigen Werke, die zum Glück sehr detailliert und nachvollziehbar sind, komme ich zu dem bereits auf der Homepage geäußerten Schluss: Wir müssen das Wirtschaftssystem dahingehend umbauen, dass die Ressourcen das Maß alle Dinge sind, und nicht deren Plünderung.

      Wohlstand ohne Wachstum ist keine Vision, sondern Voraussetzung für ein wirtschaftliches Gleichgewicht. Unser Wirtschaftssystem orientiert sein Wachstum an einer Größe, die längst überholt ist – dem Bruttoinlandsprodukt.

      Ein Beispiel für diesen Irrsinn:
      Ein LKW (der Fahrer sollte möglichst Subunternehmer sein) voller Krabben fährt von Hamburg nach Tunesien. Dort werden die Krabben von Hand gepult und kommen wieder per LKW zurück, wo sie möglichst billig in die Supermärkte kommen.
      Die großen Mengen an Diesel, die Kosten für den Verschleiß des Fahrzeuges, sogar die Kosten für die Reparatur nach einem Unfall – und jetzt wird es pervers -, ja, auch die Kosten für einen Unfall mit Todesfolge innerhalb dieses Vorgangs, das alles wird dem Bruttoinlandsprodukt zugerechnet und sorgt demnach offiziell für Wachstum.

      Unser Wirtschaftssystem feiert all das als wirtschaftlich sinnvoll und somit als Erfolg. So entsteht Wachstum.

      Nachfragen unerwünscht.

      Völlig unberücksichtigt bleiben bei diesem Beispiel die katastrophalen ökologischen Folgen des Transports, das Leid der Menschen in den Niedrigstlohnländern, die für uns (Hauptsache: billig!) Krabben pulen, das Leid der Hinterbliebenen des Todesopfers, die menschlichen Schicksale hinter diesem ganzen Procedere.

      So etwas bezeichne ich nicht als Erfolg – ich nenne es krank. Darüber haben wir uns zu empören.

      Am 20. August war der sogenannte „Erdschuldentag“. Seit diesem Tag lebt die Menschheit für den Rest des Jahres auf Pump – sie verbraucht mehr Ressourcen als nachwachsen. Seit Mitte der 1980er-Jahre schon lebt die Menschheit über ihre Verhältnisse. Aber: der erste Erdschuldentag war 1987 noch am 19. Dezember. Die Uhr läuft also gegen uns.

      Für die jetzigen Regierungen bedeutet das, je maßloser der Verbrauch, desto höher das Wachstum. Wachstum ist gut für die Wirtschaft. Und eine erfolgreiche Wirtschaft bedeutet nun mal auch gleichsam eine erfolgreiche Politik.

      Das ist die zerstörerische Logik unseres Wirtschaftssystems und der Politikerinnen und Politiker, die diesem Weg nicht nur bedingungslos folgen, sondern ihn auch noch mit großem Pomp (ich hätte fast Pump geschrieben) zelebrieren.

      Der Nationalökonom und Philosoph Leopold Kohr forderte in diesem Zusammenhang als logische Konsequenz die Rückkehr zum „menschlichen Maß“.

      Ich denke, es ist unsere einzige Möglichkeit, um den nachfolgenden Generationen nicht ihre Lebensgrundlage zu entziehen.

      • Sehr geehrter Herr Kissel,

        ihren Flyer finde ich nicht uninteressant. Wobei natürlich genauere Informationen wie Sie dies bewerkstelligen wollen fehlen.

        Und alleine schaffen sie dies nicht ich denke dessen sind Sie sich bewusst.

        Grundsätzlich finde ich es persönlich an der Zeit, das in der BRD eine neue Alternative, die nicht alles schlecht redet was das derzeit existiert, weil das ist es nicht, geschaffen wird.

        Ihre Ansatzpunkte sind ein Weg in die richtige Richtung aber ohne Organisation in der man nicht alleine steht kann es in unserem System nicht funktionieren.

        Auch wenn Sie es evtl. nicht hören möchten ohne die Gründung einer Partei die zu einer starken Alternative heranwächst kann man es nicht schaffen.

        Mit freundlichen Grüßen

        Thomas Heiny

        • Lieber Thomas Heiny,

          zunächst haben Sie bitte Verständnis, wenn sich dieser neue Weg der politischen Umsetzung von Bürgerinteressen in seiner Gesamtheit neben den anderen Themen nicht auf einem DIN- A4-Faltblatt darstellen lässt.

          Das W i e der Umsetzung ist vielfältig und bedarf immer der öffentlichen Diskussion. Lösungsvorschläge der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, das ist eine meiner Absichten und wäre auch meine Aufgabe als Vertreter des Deutschen Bundestages.

          Allerdings teile ich Ihre Ansicht keineswegs, dass sich Änderungen in unserem System nur über Organisationen und Parteien bewerkstelligen ließen.

          Als bestes Beispiel dient die Anti-Atomkraftbewegung, deren Wurzeln in unserer Region liegen.

          Es war eine Partei, die CDU, die den Menschen in den frühen 70-er Jahren vorgelogen hatte, dass Chaoten und gewalttätige Kommunisten in Wyhl dafür sorgen wollen, dass in Deutschland die Lichter ausgehen. Das berühmte Filbinger-Zitat ist Ihnen womöglich geläufig.
          Die – im wahrsten Sinne des Wortes – Staats-Gewalt stand der von Stuttgart 21 in keiner Weise nach.

          Und es waren die Bürger – Winzer, Landwirte, Arbeiter, Angestellte und Studenten -, die für ihre Heimat gekämpft hatten. Sie waren es, die die Veränderung herbeigeführt hatten, von der die nachfolgenden Generationen heute profitieren.

          Übrigens hatte schwarz-gelb noch im letzten Wahlkampf 2009 erklärt, die Atomkraft sei alternativlos. Auch das war gelogen, wie wir heute sehen. Der Anteil der regenerativen Energien wächst so rasant, dass sich die Atomfreunde in den Parteien jetzt hauptsächlich damit beschäftigen, diese Entwicklung schlechtzureden und zu stoppen.

          Es waren die Parteien – CDU, Freie Wähler und die GRÜNE (mit ihrem OB Dieter Salomon an der Spitze!) – die ungeachtet der äußerst angespannten Wohnraumsituation die städtischen Wohnungen meistbietend auf dem freien Markt verscherbeln wollten.

          Und es waren die Bürger – erst einzelne, dann viele -, die mit ihrer Bewegung „Wohnen ist Menschenrecht“ und dem daraus resultierenden Bürgerentscheid diesem sozialpolitischen Unfug ein Ende gesetzt haben. Das alles haben viele Einzelne erreicht.

          Erinnern Sie sich noch, als vor zwei Jahren Ronald Pofalla im Namen der Partei über seinen Parteifreund Wolfgang Bosbach hergefallen ist, nur weil dieser seinem Gewissen folgte und entgegen der Parteiline gegen den erweiterten Rettungsschirm gestimmt hatte?

          Nein, Herr Heiny, wir brauchen nicht noch mehr Parteien, wir brauchen mehr direkte Bürgerbeteiligung, mehr Volksvertreter, die nicht am Gängelband der Parteien hängen.

          Wir brauchen mehr Mut, mehr Empörung. Fangen wir damit an. Jetzt.

  6. Sehr geehrter Herr Kissel,

    es war eine große Überraschung für mich, Ihren Flyer „Empört Euch“ im Briefkasten zu finden. Und eine große Freude, denn ich weiß schon seit einiger Zeit nicht mehr, ob und vor allem wen ich wählen soll. Meine Stimme haben Sie; Ihre Positionen gefallen mir. Und ich habe auch keine Bedenken wegen der Chancen einer solchen Kandidatur. Meine Briefwahlstimme ist bereits auf dem Weg zum Wahlamt.

    Herzliche Grüße und viel Erfolg
    Ulrich Behrens

  7. Lieber Mad,
    schön, Dich nach 30 Jahren (UZH) auf dem flyer wieder zu sehen. Ich wünsche Dir viel Erfolg bei der Wahl und bei der Umsetzung Deiner Ziele. Meine Erststimme hast Du auf jeden Fall.
    Herzliche Grüße aus Merzhausen
    Ulla

  8. Lieber Herr Kissel,

    Sie waren der einzige Kanditat, der eine Wahlwerbung bei uns (Wiehre) eingeworfen hat, weshalb ich mich damit befasst habe und auch meine Meinung anbringen möchte. Ich halte Ihre Ziele und Ihre Motivation für lobenswert. Dennoch fehlt mir ein konstruktiver Lösungsansatz was die Bundespolitik angeht. Sie bringen einige gute und umsetzbare Beispiele wie etwa das lokale Energiesanierungsprojekt. d’accord. Das lässt sich mit entsprechendem Engagement und Willen durchsetzen. Aber wenn Sie (durchaus zurecht) Fässer aufmachen wie:
    „Unser Wirtschaftssystem feiert all das als wirtschaftlich sinnvoll und somit als Erfolg. So entsteht Wachstum.“, dann sollten Sie auch substantiiert nachlegen. Denn faktisch entsteht gerade durch solch absurde Umwege nunmal realer Umsatz der dann auch bei den entsprechend Beschäftigten auf dem Teller landet. Würde man diese auf den ersten Blick unnötige Fahrt nicht machen, dann litten die Tankstellen, der Subunternehmer hätte keine Fahrt mehr, die Werkstatt keinen Umsatz. Der Reifenhersteller, der LKW-Hersteller etc… Wenn jemand Müll wegwirft, dann kann das auf zwei Arten interpretiert werden. Er a) macht Dreck und/oder b) schafft Arbeitsplätze. Die Problematik dieser unsinnigen Lösungen die aber real dann doch irgendwie Sinn machen zieht sich ja durch sämtliche Bereiche. Die Frage die zu beantworten ist: Wie sieht denn das Gegenmodell aus ?

    Herzliche Grüße,
    RA Marc Schwarz, Freiburg

    • Lieber Herr Schwarz,

      das Gegenmodell dieser absurden Wirtschaftslogik existiert (gottseidank) noch nicht als vorgefertigtes Modul aus der Dogmenküche der Parteien, es muss vielmehr entwickelt werden. Von und durch uns, die wir unsere Gesellschaft ausmachen, in diesem Falle etwa als Verbraucher.

      Bleiben wir bei unserem genannten Beispiel des „Krabbenpultransports“ und entscheiden uns für folgenden Lösungsansatz: Die Krabben (deren nachhaltigen Fang wir voraussetzen wollen) werden nicht nach Tunesien gekarrt und dort zu Hungerlöhnen gepult, sondern bleiben in Hamburg. Die Handarbeit des Pulens wird hier vor Ort mit dem Mindestlohn (nehmen wir hierfür € 8,50 an) gewürdigt. Denn das ist diese mühsame Arbeit durchaus wert. Von diesem Lohn können die Arbeiter/innen leben, tragen zur Sicherung Ihrer eigenen Existenz und der Ihrer Familien (sofern vorhanden) bei.
      Der Rest des absurden Transportspektakels und der asozialen Arbeitsbedingungen (von „Lohn“ möchte ich an dieser Stelle nicht sprechen, das wäre purer Zynismus) entfällt.

      Was haben wir nun zu „verantworten“?

      Sie haben es bereits beschrieben: Die Tankstelle verkauft weniger Treibstoff, der Reifenhersteller verkauft weniger Reifen, die Werkstatt hat weniger Aufträge und so weiter. Der Umsatz aufgrund des Transports entfällt.

      Was steht dem gegenüber?

      Der Umsatz in Hamburg steigt. Die Arbeiter vor Ort können am Leben und somit Wirtschaftskreislauf teilnehmen. Das konnten sie vorher nicht, denn diese Arbeit wurde erst jetzt geschaffen. Sie können durch ihren akzeptablen Lohn Waren erwerben und dafür sorgen, dass auch andere Menschen, deren Dienstleistungen sie in Anspruch nehmen, akzeptabel bezahlt werden können. Das könnte – wir bleiben bei unserem Beispiel – etwa eine Tankstelle sein, eine Autowerkstatt oder ein Reifenhändler. Mit einem gewaltigen Unterschied: die Ware, die etwa die Tankstelle in Hamburg für Ihre Existenz braucht, ist für die Gemeinschaft länger verfügbar. Denn der Wegfall des langen Transports hat die Ressource Treibstoff geschont.

      Die Kosten der Umweltbelastung sind ebenfalls weggefallen. Es ist unstrittig, dass es diese immensen Kosten gibt. Sie tauchen aber weder in der betriebs- noch in der volkswirtschaftlichen Berechnung auf, weil sie – warum auch immer – nicht dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) zugerechnet werden. Diese Rechnung (hauptsächlich für die Kosten des Klimawandels) wird den nachfolgenden Generationen aufgebürdet und präsentiert werden. Und sie wird nicht gering ausfallen.
      Die Verfechter des freien Marktes und Anhänger der BIP-gestützen Wachstumsphilosophie hingegen ignorieren diese Kosten, manche sind dreist genug, sie sogar zu verneinen. (In den Bilanzabteilungen der Versicherkonzerne werden Sie weniger Leugner des Klimawandels finden als in den Regierungsparteien.)

      Wir haben es also durchaus mit einem Gegenmodell zu tun. Die Umsetzung dieses Modells liegt in unseren Händen. Sie benötigt die Unterstützung von uns, die wir diese Gesellschaft ausmachen. Es ist das soziale Verständnis, das diesem Modell zugrunde liegt.
      Dieses Modell benötigt kein parteigerechtes All-inclusive-Dogma. Es braucht vielmehr die Entschlossenheit der Verbraucher, das bestehende zu ändern. Wir sind der Markt. Und der sollte in der Tat sozial sein. Dazu müssen wir ihn aber erst schaffen.

      P.S.

      Auf die irrwitzigen EU-Förderungen der ökologisch katastrophalen aber ökonomisch im Sinne der freien Marktwirtschaft hochprofitablen Geschäfte im Bereich der Agrarindustrie möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen. Das bedarf einer separaten Beleuchtung dieses in weiten Teilen kriminellen Schattenreichs.

  9. Wow, tolle Diskussion hier!
    Sie macht richtig Lust auf Lösungen.
    Ich denke die Lösungen sind alle da.
    Erst müssen sie gedacht werden.
    Dann können sie gemacht werden.

  10. Eigentlich wollte ich dieses mal (zum ersten Mal) nicht wählen gehen.
    Hatte genug von diesen selbstgefälligen Egomanen. Meine Stimme haben sie.

    Viel Glück

  11. Sehr geehrter Herr Kissel,

    Ihre Antworten beim „Kandidatencheck“ sind an etlichen Stellen ja doch ziemlich mit der Faust auf den Tisch gegeben, was Sie dem Verdacht aussetzt, mit derlei Getöse von wackligen Inhalten ablenken zu wollen. „Empört euch“ ist auch nicht gerade mein Lieblingsslogan. Es ist immer einfach, etwas schlecht zu finden.

    Was ich hier lesen kann klingt deutlich anders. Ich ertappe mich beim steten Kopfnicken, wenn ich Ihre Kommentare lese; das passiert mir bei politischen Texten normalerweise nicht so leicht. Ihre Schwerpunkte und Ihre Art, über die Dinge nachzudenken, spricht mich doch sehr an. Und auch wenn mir die Darreichungsform Ihrer Gedanken nicht immer behagt könnte es durchaus passieren, dass ich am Sonntag etwas ganz anderes wähle, als ich ursprünglich vorhatte.

    In jedem Fall haben Sie meinen Respekt für diesen politischen Anlauf. Ich wünsche Ihnen viel Glück und starke Nerven.

    Steffen Bothe

  12. Versteht sich, dass Sie meine Stimme bekommen.
    Ich warte schon lange auf sowas.

  13. Lieber Herr Kissel,

    ihre gut gemachte Website mit den anregenden Diskussionen die dort geführt wurden hat mich überzeugt.
    Meine Stimme haben Sie.
    Ich wünsche Ihnen wenigstens einen Achtungserfolg.

    Viele Grüße,
    Holger Hauss

  14. Sehr schade, dieses Ergebnis. Der mühsam wiederbelebte Idealismus ist gleich mal wieder durchs Eis gebrochen. Trotzdem fühlt es sich nicht falsch an, wieder einmal ganz naiv nach seiner Überzeugung gehandelt zu haben, ohne ewiges Zaudern und strategisches Zähneknirschen.

    Herr Kissel, ich danke Ihnen und bereue nichts.

    Steffen Bothe

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