Journalitiker

Parteiloser Direktkandidat für die Erststimme bei der Wahl zum deutschen Bundestag am 22. September 2013 im Wahlkreis 281 (Freiburg), Platz 22

Wenn Medien Wählerinnen und Wähler bevormunden

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Bild: BZ-MG.de

Bild: Bürgerzeitung für Mönchengladbach

Nachdem meine Kandidatur für die Bundestagswahl amtlicherseits bestätigt war, ging Anfang August eine Pressemitteilung an die Medien. Die Wähler sollten wissen dürfen, wer zur Wahl steht – dachte ich.

Der Stadtkurier brachte eine Minimeldung mit Bild, das sollte es von der Stelle auch schon gewesen sein. Wesentlich gehaltvoller griffen das euroJournal, die Zeitung am Samstag und das Stadtmagazin Chili die Pressemitteilung zeitnah auf.

Einen Monat später räumten „Der Sonntag“ und die „Badische Zeitung“ in ihren Gazetten den Einzelkandidaten den Platz ein, den sie für angemessen hielten. Und der Freiburger Wochenbericht, Radio Regenbogen, baden FM, TV-Südbaden, SWR-Hörfunk, SWR-Fernsehen – Fehlanzeige.

Diese Medien entschieden für sich, dass eine Einzelkandidatur zum Deutschen Bundestag ohne Parteihintergrund die Leser, Hörer und Zuschauer nicht zu interessieren habe.
Ihre Themen waren etwa der Apfel, den CDU-Kandidat von Marschall auf dem Wahlplakat in den Händen hält.

Zu allen Podiumsdiskussionen haben die Veranstalter nur die jeweiligen Direktkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien eingeladen. Den restlichen Kandidaten wurde die Darlegung ihrer Argumente verwehrt.

Die gleiche Auswahl traf auch die Landeszentrale für politische Bildung (LpB) für das Podium im Freiburger SWR-Studio. Aber auch die LpB, nach eigenem Verständnis sonst nicht müde, der Politikverdrossenheit entgegenzuwirken, versagte den Wählerinnen und Wählern den direkten Zugang zu allen Kandidaten.

Die Anstalt des öffentlichen Rechts, der Südwestrundfunk, nahm übrigens an dieser Art des Demokratieverständnisses keinen Anstoß.

Warum man an der einen Stelle auf die Politikverdrossenheit bei den Bürgern verweist und an anderer Stelle genau diese fördert, soll die Landeszentrale für politische Bildung ratlosen Bürgern selbst erklären.

Einen Schritt weiter ging letzten Donnerstag der Stadtkurier. Auf Seite 1 schrieb er unter dem Titel „Der große Bundestags-Wahlcheck im Stadtkurier“ nicht wahrheitsgemäß, dass er den Direktkandidaten des Wahlkreises Freiburg sieben Fragen gestellt habe.

Stadtkurier Seite 1

Stadtkurier Titelseite

Auf der Doppelseite 4 und 5 bekommt der Leser allerdings nur von sieben Direktkandidaten Antworten. Die restlichen fünf Kandidaten fehlen.

Stadtkurier Seite 4+5

Stadtkurier Seite 4+5

Ihre Existenz wird keineswegs unterschlagen. Denn im Stadtkurier heißt es wörtlich: „Um die personenbezogene Erststimme,das Direktmandat, buhlen zwölf Kandidaten. Der Stadtkurier hat den sieben aussichtsreichsten jeweils sieben Fragen gestellt.“

Der Stadtkurier befiehlt also den Wählern bereits zehn Tage vor der Wahl, wer die sieben aussichtsreichsten Kandidaten zu sein haben. Ein wahres Glanzstück journalistischen Arbeitens und ebenso gelebter Demokratie!

Doch der Stadtkurier steht mit seinen Weissagungen keinesfalls alleine da. Die bereits oben erwähnte Landeszentrale für politische Bildung hat zum 26. September – vier Tage nach der Bundestagswahl – in Freiburg zur sogenannten Elefantenrunde geladen.
Und die LpB weiß auch schon, wer in diesem Bundestag vertreten sein wird. Die Runde setzt sich für sie folgerichtig und erwartungsgemäß zusammen aus

Kerstin Andreae MdB (Bündnis 90/Die Grünen),
Gernot Erler MdB (SPD),
Matern von Marschall (CDU),
Tobias Pflüger (Die Linke),
Sascha Fiek (FDP).

Die FDP wird es also wieder geschafft haben.
Glückwunsch von dieser Stelle.

Sollten Sie nun den Drang haben, sich an anderer, überregionaler, ja gar bundesweiter Quelle zu informieren, dann empfehle ich Ihnen keineswegs etwa das Springer-Medium „Die Welt“. Dort annonciert der Onlineauftritt unter anderem: “ Wer kandidiert in meinem Wahlkreis für den Bundestag? … Die interaktive Wahlkarte der „Welt“ verrät es Ihnen.“

Wenn Sie – den Ausführungen glaubend – anschließend auf der interaktiven Karte den Wahlkreis 281 anklicken, erfahren Sie ebenfalls, dass es in Freiburg nicht zwölf, sondern lediglich sieben Direktkandidaten gäbe.
Da „Die Welt“ keineswegs ihre Quellen unterschlägt, schreibt sie wörtlich: “ Die Daten für diesen Atlas hat die „Welt“ in Kooperation mit Abgeordnetenwatch erhoben.

Nur, dass Abgeordnetenwatch im Gegensatz zur „Welt“
a l l e Direktkandidaten aufführt
.

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